Die Gilde – Gold Edition: Gaukler, Gruften und Geschütze
- Publisher: 4Head Studios
- Veröffentlichungsjahr: 2002
- Plattform: Windows
- Altersfreigabe: USK 0
- Geeignet für: Ab Klasse 7
- Fachbezug: Wirtschaft, Geschichte
„Nun, da ich alt geworden bin, möchte ich euch meine Geschichte erzählen. Möge sie unterhaltsam sein, werter Freund! Oder gar die Abenteuerlust in euch wecken, auf dass ihr euer Glück in der großen Stadt macht, so wie ich es auch einst tat!“
Im Wirtschaftssimulationsspiel Die Gilde – Gold Edition machen sich die Spielenden auf, um ihr Glück in einer mittelalterlichen Stadt im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zu finden. Dabei gilt es, generationenübergreifend wirtschaftlichen Ruhm als Handwerker wie beispielsweise Schmied oder Tischler, oder gar als Wirt zu erlangen und Waren wie Silberringe, Gehstöcke oder Dunkelbier zu produzieren und auf dem städtischen Markt zu verkaufen. Kluge Handwerker*innen haben die örtlichen Rohstoff- und Warenpreise gut im Blick, um möglichst günstige Rohstoffe und Ingredienzien einzukaufen und gleichermaßen die produzierten Waren gewinnbringend wieder zu verkaufen. Durch die geschickte Vermarktung der betrieblichen Waren erlangen die Spielenden Geld, welches sie direkt wieder in den Ausbau des eigenen Betriebes investieren können. Zusätzlich können sie auch neue Betriebe eröffnen und den Markt in ihrer Produktionssparte dominieren und der eigenen Familie zu noch mehr Glanz, Reichtum und Ansehen verhelfen.
Mit wachsendem Vermögen, Ansehen und Besitz steigen die Spielenden zudem im sozialen Status auf und erhalten Zugang zu neuen Rechten und Ämtern: Nach der Verleihung des Bürgerrechts – gegen eine saftige Spende – können sich die Spielenden fortan auf städtische Ämter bewerben und möglicherweise gewinnbringenden Einfluss auf die Gesetzgebung der Stadt nehmen und das Stadtleben gemäß ihren Vorstellungen gestalten.
Neben den beruflichen Zielen gilt es auch, das soziale Leben gut im Blick zu haben. Ein frühzeitiges Werben um eine*n Ehepartner*in erhöht die Erfolgschancen auf eine Hochzeit und auf Kinder, um den Familienbetrieb über Generationen hinweg zu erhalten: Nach mehreren Jahrzehnten stirbt der fiktive Charakter und der Besitz geht an einen Nachkommen über. Die Spielenden können dann entscheiden, ob sie das Spiel an dieser Stelle beenden, oder in der Rolle eines ihrer Kinder weiterspielen.
Neben der Familiengründung muss man sich zudem mit den Interessen von anderen Familien und Gewerbetreibenden auseinandersetzen: So können Konkurrenten aus demselben Wirtschaftszweig nicht nur die Preise auf dem Markt durch An- und Verkauf ihrer Waren mitbestimmen – die einzelnen Bewohner*innen der Stadt können Intrigen schmieden, indem sie die Spielenden per Pamphlet am Aushang des Marktplatzes verunglimpfen oder Beweise für Vergehen sammeln, um sie vor Gericht zu zerren, wo sie mitunter schmerzhafte Strafen erwarten. Dies schadet nicht nur dem Geldbeutel, sondern auch dem Ansehen der Dynastie. Die Spielenden müssen somit gut überlegen, wie sie den anderen Bürger*innen der Stadt begegnen, um deren Gunst zu erlangen. Hierbei können auch Bestechungsgeschenke wie beispielsweise ein in der eigenen Schmiede hergestellter Silberring wahre Wunder bewirken.
Die Gunst der Bürger*innen ist auch bei der Bekleidung von städtischen Ämtern bedeutsam, die parallel zu den täglichen Betriebsabläufen wahrgenommen werden können. Nur wer die Mehrheit der Wahlberechtigten hinter sich vereint, wird auch in ein Amt gewählt. Auch hierbei können Bestechungen oder auf dem Marktplatz erworbene Geschenke wahre Wunder bewirken. Werden die Spielenden in ein Amt gewählt, können sie durch Amtsprivilegien Einfluss auf soziale oder wirtschaftliche Zusammenhänge nehmen: So kann der Baumeister beispielsweise neue Gebäude verbilligt errichten, oder der Richter – bei entsprechender Anklage – empfindliche Strafen für unliebsame Konkurrenten verhängen.
Die Gilde – Gold Edition schafft es, die Spielenden in das facettenreiche Stadtleben des Spätmittelalters zu versetzen. Hierbei gilt es, sowohl wirtschaftlichen Reichtum zu generieren als auch Ruhm für die eigene Dynastie und deren Fortbestehen zu sammeln, so dass die Spielenden am Ende glücklich auf ein erfülltes Leben in der Stadt zurückblicken und den Familienbesitz mit gutem Gewissen an ihre Kinder übergeben können.
Die Gilde – Gold Edition eignet sich für den Einsatz im Wirtschaftsunterricht bereits ab der siebten Klasse, da im Spiel grundlegende marktwirtschaftliche Vorgänge angelegt sind. Neben grundlegenden Prinzipien wie Betriebsführung, Personalverwaltung und Arbeitseinteilung stehen einzelne marktwirtschaftliche Aspekte wie Preisbildung oder die Bedeutung von Lieferketten zentral und können detailliert betrachtet werden. Wenn man als Schmied beispielsweise ein grundlegendes Gut wie „Beschläge“ herstellt, diese jedoch nicht verkauft, können weitere Produkte nicht hergestellt werden, die unter anderem aus Beschlägen bestehen. Dies führt zu einer breitgefächerten Verknappung auf dem Markt, wodurch die Preise für Beschläge rasant ansteigen können. Diese Verkaufsstrategien gilt es auszuloten und den richtigen Zeitpunkt für den Warenverkauf abzuwarten, um beträchtliche Gewinne zu erzielen. Gleichermaßen können die städtischen Minen und Waldstücke die Rohstoffzufuhr in Form von Holz oder Eisenerz einstellen. Rohstoffe, die jedoch dringend für die Herstellung von Beschlägen benötigt werden.
Im Unterricht lässt sich eine Spielung explorativ einbetten, um Zusammenhänge von Angebot und Nachfrage in einer gemeinsamen Spielphase zu erkunden: Durch die Führung eines Betriebes werden grundlegende betriebswirtschaftliche Aspekte wie Logistik, Mitarbeitendenführung sowie An- und Verkauf von Rohstoffen und produzierten Waren ersichtlich. Davon ausgehend können die Lernenden in den Wettstreit miteinander treten, indem sie innerhalb einer vorgegebenen Spielzeit (bspw. 10 Spieljahre entsprechen circa 60 Minuten) versuchen, ihren Gewinn zu maximieren. In einer anschließenden Reflexionsphase sollten die Strategien besprochen werden, die zum Erfolg geführt haben (z.B. Künstliche Verknappung, Preismonitoring, Berufswahl). Die Spielenden lernen hierdurch, wirtschaftliche und soziale Entscheidungen im Kontext von Angebot und Nachfrage zu analysieren und deren Auswirkungen auf Marktpreise zu erklären.
Die große Stärke des Spiels manifestiert sich im Zusammenspiel der marktwirtschaftlichen und sozialen Facetten: Um große Gewinne zu erzielen, müssen zwar die produzierten Waren möglichst preisträchtig verkauft werden, allerdings tragen auch andere Faktoren zur Gewinnmaximierung bei. So können beispielsweise städtische Ämter durch ausgezahlte „Aufwandsentschädigungen“ ebenso lukrativ sein wie niederträchtige Intrigen gegen Konkurrenzdynastien: An gegnerischen Betrieben können Brände gelegt oder gar in den Betrieb eingebrochen werden, um den Mitspielenden wirtschaftlichen Schaden zuzufügen, da die entsprechenden Schäden für teures Geld repariert werden müssen. Auch der persönliche Schutz sollte bedacht werden und so sollte wohl überlegt sein, ob man nicht den ein oder anderen Taler in einen Leibwächter investiert. Dieses Zusammenspiel vieler Faktoren eignet sich hervorragend, um die Zusammenhänge der einzelnen marktwirtschaftlichen wie sozialen Facetten zu modellieren und damit das systemische Denken zu fördern. In den höheren Klassenstufen können zudem wirtschaftsethische Fragen reflektiert werden: Inwiefern können Geld und Besitz den sozialen Stand rechtfertigen? Welche Probleme bringen die Verknüpfung von Reichtum und politischer Einflussnahme für die Bevölkerung und die Stadt mit sich? Inwieweit sollte die Stadt in marktwirtschaftliche Prozesse eingreifen und gegebenenfalls regulieren? Die im Spiel mögliche Verbindung von wirtschaftlichem Erfolg, politischem Einfluss und sozialem Status bietet hierfür einen geeigneten Ausgangspunkt.
Durch das historische Setting in die Zeit des Spätmittelalters bietet das Spiel ebenso Potentiale für den Geschichtsunterricht, wobei das Leben in der spätmittelalterlichen Stadt erkundet werden kann. Das Spiel stellt dabei kein exaktes Abbild des spätmittelalterlichen Lebens dar. Vielmehr ist es als vereinfachtes Modell zu bewerten, das ausgewählte Aspekte dieser Zeit sichtbar macht: Hierbei können einzelne Aspekte wie die Berufswahl oder das soziale Zusammenleben fokussiert werden, indem die Spielenden zunächst offen spielen, um anschließend mittels Leitfragen gezielt nach epochenspezifischen Merkmalen zu suchen: Welche Berufe gab es in der spätmittelalterlichen Stadt? Welche Waren wurden produziert? Welche Rolle spielte das Bürgerrecht? Welche Rechte und Privilegien haben die unterschiedlichen Menschen der Stadt? Welche religiösen und magischen Vorstellungen werden im Spiel deutlich? Was sind wichtige Orte in der Stadt? Hierbei ist es unabdingbar, die gefundenen Merkmale mittels historischer Quellen zu prüfen und konkret anzubinden.
In der Unterrichtspraxis können die Spielenden beispielsweise eine Mind-Map mit Oberbegriffen aus den Leitfragen erstellen und ihre Erfahrungen notieren. In einer anschließenden Vorstellungsrunde können die individuellen Erfahrungswerte zusammengebracht und verglichen werden. Eine anschließende Anbindung an eine Quelle könnte durch die Analyse von historischen Darstellungen der spätmittelalterlichen Stadt geschehen. Durch den Vergleich einzelner Elemente des Spiels mit historischen Quellen wird das Geschichtsbewusstsein gefördert, sodass die Spielenden lernen, zwischen realen historischen Gegebenheiten und fiktiven Darstellungen zu differenzieren.
Die Gilde – Gold Edition hat mittlerweile einige Fortsetzungen mit verschiedenen Erweiterungen und grafischen Upgrades. Die Spielmechanik und die didaktischen Potentiale sind im Wesentlichen auf alle Spiele der Reihe übertragbar.

