Consume Me
- Publisher: Hexecutable
- Veröffentlichungsjahr: 2025
- Plattform: Windows, MacOS
- Altersfreigabe: Ab 12 Jahren
- Geeignet für: Ab Klasse 8
- Fachbezug: Ethik, Religion, Gemeinschaftskunde, Biologie
Nur noch ein kleiner Bissen – oder ist der schon zu viel? Die Jugendliche Jenny will schlanker werden und protokolliert von nun an akribisch jede Mahlzeit, die sie zu sich nimmt. Denn ihr strenges Spiegelbild lässt sich nicht austricksen. Wer schummelt, muss Sport machen – aber auch zu wenig essen darf sie nicht, sonst kommen nachts die Heißhungerattacken und alles war umsonst. Und wäre das nicht schon Herausforderung genug im Leben der Highschool-Schülerin: Zusätzlich muss sie für Prüfungen lernen, ihrer anspruchsvollen Mutter gerecht werden und im Haushalt helfen, auf einen Bikini sparen, sich unglücklich verlieben und zwischen all dem Stress irgendwie nicht im Burnout enden. Ob das gut gehen kann?
Die Spieler*innen helfen Jenny in der comicstilartigen, humorvollen Lebenssimulation Consume Me dabei, die zahlreichen Aufgaben ihres Alltags zu jonglieren. Dieser besteht aus einer Reihe von immer anspruchsvoller werdenden Mini-Games – etwa den Mahlzeiten, die als Käsestückchen oder Avocados in Form von Tetris-Blöcken auf dem Teller arrangiert werden, aber nie ganz zusammenpassen und nicht zu viele „Nutris“, also Kalorien, enthalten dürfen. Mit jeder bestandenen Aufgabe sammelt Jenny Erfahrungspunkte, die sie wiederum für andere Punkte auf ihrer immer länger werdenden To-do-Liste einsetzen kann. Nach und nach wird ihre Überforderung deutlich – denn so vielen Aufgaben kann niemand gleichzeitig gerecht werden. Dem eigenen Spiegelbild beizubringen, sich selbst zu akzeptieren, ist dabei manchmal auch ein schmerzhafter Prozess. Die Spielenden begleiten Jenny dabei und navigieren sie durch die Herausforderungen des Erwachsenwerdens.
Das Alltags-Simulationsspiel Consume Me eignet sich aufgrund seiner authentischen und nahbaren Verhandlung der Themen Selbstfindung, Erwachsenwerden und Essstörung für den Einsatz im Ethik- und Religionsunterricht ab Klasse 8. Durch die Thematik ergeben sich auch fachübergreifende Bezüge für den Biologie- und Gemeinschaftskundeunterricht. Trotz der Gesamtlänge des Spiels von mehreren Stunden lohnt für den schulischen Einsatz bereits das Spielen des Prologs oder gegebenenfalls ersten Kapitels, sodass etwa eine halbe bis eine Stunde Spielzeit anzusetzen sind, um eine Reflexion der inhaltlichen Schwerpunkte anzuregen.
Der Fokus auf die Themen Selbstfindung und Essstörung lässt sich insbesondere im Ethik- und Religionsunterricht sinnvoll verhandeln. Erzählt wird aus Perspektive der Jugendlichen Jenny, die eines Tages nach dem Essen von ihrer Mutter zu hören bekommt, sie sei zu dick geworden. Später betrachtet sie sich im Spiegel, während ihr kritisches Spiegelbild ihr zu verstehen gibt, dass sie abnehmen müsse. Fortan besteht ein Ziel der Spielenden darin, neben zahlreichen Alltagsaufgaben, Jennys Kalorienstatus zu tracken – im Spiel wird dafür die Formulierung „Nutris“ gewählt. Liegen die in Mini-Games zusammengestellten Mahlzeiten über dem Wert von 500 Nutris, ist das tägliche Ziel überschritten. Den Wert zu unterschreiten, ist dabei durchaus herausfordernd, und wer mehr als drei Tage pro Woche einen „Cheat Day“ einlegt, verliert. Mit Schüler*innen lässt sich anhand dieser Mechaniken das ernste Thema Essstörung auf eine empathische Weise verhandeln, die zur erfahrungsnahen Perspektivübernahme anregt und eine kritische Reflexion ermöglicht. Die Schüler*innen werden dabei zunächst in Jennys Alltag hineinversetzt, der zunehmend von Selbstkontrolle und widersprüchlichen (Selbst-)Erwartungen geprägt ist – Erfahrungen, die ihnen möglicherweise aus ihrem eigenen Alltag vertraut sein und im Unterricht reflektiert werden können. Beim Spieleinsatz sowie in der Anschlusskommunikation ist dabei ein besonders sensibler Umgang mit klaren Gesprächsregeln gefragt, da aufgrund der Häufigkeit und oft fehlenden Sichtbarkeit von Essstörungen im Jugendalter persönliche Betroffenheiten unter den Schüler*innen nicht auszuschließen sind.
Die Spielmechanik, Mahlzeiten zu „gamifizieren“, ermöglicht zudem eine Reflexion über psychologische Mechanismen und emotionale Gründe, die junge Menschen zu vermeintlichen Diätlogiken und einem gestörten Essverhalten verleiten können. Anhand von Leitfragen lässt sich gemeinsam darüber nachdenken: Warum fühlt sich die Kontrolle, die von Diäten und Kalorientracking ausgeht, für manche Menschen zunächst gut an? Ab wann kippt sie in Zwang und schadet Körper und Psyche? Welche ernsten Folgen ergeben sich aus zwanghaftem Essverhalten? Hierbei bieten sich auch fachübergreifende Bezüge zum Biologieunterricht an, der Essstörungen als Suchtverhalten aus gesundheitlicher Perspektive thematisieren kann. Darüber hinaus ist es sinnvoll, Informationen zu Behandlungsformen, Ressourcen und psychosozialen Beratungsstellen bereitzustellen, die im Fall von Betroffenheit niedrigschwellige und schnelle Unterstützung anbieten.
In einem weiteren Schritt lässt sich mit den Schüler*innen sowohl im Ethik- und Religions-, als auch im Gemeinschaftskundeunterricht über die Rolle sozialer Erwartungen bei der Auseinandersetzung mit Körper und Selbstbild nachdenken – sei es in sozialen Medien, aber auch zuhause oder in Peer-Groups. Bei Jenny ist es die strenge Mutter, die in ihr Leistungs- und Optimierungsdruck sowie das Gefühl auslöst, Erwartungen nicht genügen zu können, sodass sie diese Ansichten auf ihre Selbstwahrnehmung überträgt. Schüler*innen können in diesem Zusammenhang dazu angehalten werden, darüber nachzudenken, wo ihnen im Alltag Erwartungen an Körperbilder und Selbstoptimierung begegnen, die auf sie Einfluss nehmen.
Besonders lohnt es dabei, die Rolle sozialer Medien in den Blick zu nehmen: Hier können mitunter der Vergleichsdruck auf Plattformen wie Instagram oder TikTok, die Rolle von Schönheitsfiltern und Bildbearbeitung, Influencer*innen, Fitness- und Schlankheitskulturen sowie trendverstärkenden Algorithmen untersucht werden. Auch die dort verbreiteten Vorstellungen zu unrealistischen und generischen geschlechtsbezogenen Körperidealen spielen eine Rolle, die mit den Schüler*innen kritisch reflektiert werden können – wobei neben der bislang zumeist adressierten Zielgruppe junger Frauen auch junge Männer zu berücksichtigen sind, die auf Online-Plattformen zunehmend körperlichem Optimierungsdruck ausgesetzt werden. Daran lässt sich gemeinsam überlegen: Warum entsteht der gesellschaftliche Druck zur Selbstoptimierung und körperlichen Anpassung? Durch welche sprachliche und mediale Gestaltung wirken diese Darstellungen vielleicht attraktiv auf uns? Wer profitiert davon? Und welche gesellschaftliche Verantwortung tragen Plattformen, politische Akteur*innen und unser soziales Umfeld in diesem Zusammenhang? Gemeinsam lassen sich auf dieser Basis mit den Schüler*innen Strategien zum kompetenten Umgang mit derartigen Einflüssen erarbeiten, um eine gesunde Haltung zum eigenen Selbstbild zu entwickeln und zu erhalten.

